Stell dir einmal Romeo und Julia ohne die berühmte „Kussszene“ vor. Das wäre ein wirklich langweiliges Stück. Aber auch die diversen Liebesgeschichten aus der Bibel haben einige Vorlagen für echte Kussszenen: Simson und Delila, Adam und Eva, Abraham und Sarah, das Hohelied, Petrus und seine Frau…(nur um mal ein paar zu nennen). Die Bibel und das Leben sind voller Liebesgeschichten.

Aber Kussszenen im Gottesdienst? Geht das überhaupt? Darf man das? In einer Theatergruppe, die Jesus die Ehre geben will, können Kuss-Szenen sehr heikel sein. Eine gute Kussszene kann einem Anspiel auch eine gewisse Würze geben, aber es gibt ein paar Dinge zu beachten. Am Theater (und hoffentlich auch in deiner Theatergruppe) sind die Schauspieler zumeist sehr eng und vertraut miteinander und ein Kuss gehört auf der Bühne zur Arbeit, wie ein Schulterschlag oder ein Händedruck. Da ist man nicht zimperlich und hält sich nicht mit Ausweichmanövern auf, sondern macht das richtig, da nichts dabei ist – nur bei wilden Knutschereien gibt es die einen oder anderen „Tipps und Tricks“ für eine gute Wirkung, aber bei eventuell gewünschter Distanz. Diese Möglichkeiten sind aber nicht relevant für Gottesdienste.

Daher hier also ein Trick und Hilfsmittel – damit sich jemand freiwillig für die Hauptrollen melden kann, ohne bei dem Gedanken an die Kussszene gleich eine mittelschwere Nervenkrisen zu erleiden.

Bleiben wir hier mal gleich bei Romeo und Julia

Julia schnappt sich den Kopf von Romeo mit beiden Händen, die sie seitlich links und rechts um seinen Unterkiefer legt. Dann dreht sie sein Gesicht ein wenig vom Publikum weg, legt beide Daumen aneinander und über seine geschlossenen Lippen und drückt dann einen beliebig langen Kuss auf die eigenen Daumen. Dies alles geschieht fließend und in einem Dreh – und Romeo benimmt sich hierbei bitte nicht wie Pinocchio, bevor die Fee ihn zu einem echten Jungen gemacht hat, sondern macht hier schön locker und geschmeidig mit.

Bitte hier BEIDE während des Kusses die Köpfe zumindest ein wenig bewegen (hey, ihr kennt das aus Filmen!), sonst wirkt das Ganze statisch und „falsch“, künstlich. Und einigt euch über die Richtungen der Nasen! Das Ganze ginge natürlich je nach Absprache auch umgekehrt, je nachdem, von wem hier Initiative und Temperament ausgehen sollen – und ob Romeo überhaupt währenddessen auf einer Leiter o. ä. steht – ansonsten gäbe es einen unwillkürlichen Stunt und er würde nur noch mit dem Gesicht in Julias Händen hängen!

Also immer Vorsicht – und Romeos Aufregung hier nicht unterschätzen, meistens sind die Mädchen bei dieser Performance am Ende doch wesentlich cooler und weniger zimperlich – auch wenn sie ihre Aufregung und Verlegenheit zu Beginn der Proben mehr zeigen als die Jungs. Was hier als einzige Maßnahme ein wenig hilft, macht euch klar: Hier küsst jetzt nicht Kevin die Lara, sondern Romeo die Julia. Ihr seid nicht ihr selbst, ihr seid der Charakter, den ihr darstellt. Ihr macht das, weil es an dieser Stelle zum Stück gehört – und wer über euch lacht oder lästert, fliegt raus. Seid selbstbewusst, ihr schafft das!

Hier aber noch ein paar generelle Tipps

1. Bete

Ich habe weiter oben beschrieben, dass es in einem Theaterteam immer Vertrautheit gibt. Ihr seid eine Gemeinschaft. Bevor ihr also zum Proben zusammenkommt betet und nehmt Jesus mit in die Probe hinein (das gilt übrigens nicht nur bei Proben für die Kussszene). Wenn du Gott aus dieser Sache raus lässt, ist Ärger schon vorprogrammiert.

2. Kussszenen und Vertrauen

Stell sicher, dass der Junge und das Mädchen in der Lage sind, sich nahezukommen, ohne dabei in emotionales Chaos zu geraten.

Sag jedem in der Gruppe, dass er duschen, Deo benutzen und mit Mundwasser gurgeln soll, bevor die Proben anfangen. Benutzt bitte kein Parfüm oder stark riechende Duftartikel. Manchmal reagieren Leute allergisch auf solche Düfte, und das führt dann zu einem Problem.

Noch mal: Vertrauen ist der Schlüssel zwischen den Schauspielern, also:

Leg im Voraus genau fest, wie der Körperkontakt in der Szene ablaufen soll, und stell sicher, dass dies für die Schauspieler in Ordnung ist. (Das ist in jedem Fall erst zu klären, bevor man die Personen für die Rollen festlegt. Manchmal kann das sogar enge Freunde in Schwierigkeiten bringen. Wenn das der Fall ist, rede mit ihnen und betet zusammen.)

Sag von Anfang an (und erinnere immer wieder daran), dass es ihre Verantwortung ist, nicht das Vertrauen der anderen Person zu missbrauchen. „Wenn ich von dir erwarte, mir zu vertrauen und dich dann ein wenig provoziere, dann kann ich nicht weiter erwarten, dass du mir vertraust.“ Erinnere sie vor jeder Probe neu daran, dass auch bei den Proben keine Späße mit diesem Thema gemacht werden dürfen.

Erkläre ihnen auch, dass Berührungen außerhalb der festgelegten Grenzen nicht in Ordnung ist. Und nochmal, es ist nicht lustig und es zerstört Vertrauen.

3. Wie du eine Kussszene „vortäuschen“ kannst

Hier noch ein Beispiel, wie man einen Kuss vortäuschen kann:

Sie kommen Händchen haltend auf die Bühne und sehen einander lächelnd an, sodass das Publikum versteht, dass es sich um ein Paar handelt. Er nimmt sie auf den Arm (sie hüpft kurz hoch und zieht die Beine an, so dass er sie besser halten kann) und dreht sich im Kreis, bevor er sie wieder am gleichen Platz absetzt. Dann dreht sie sich zu ihm, wobei ihr Rücken dem Publikum zugedreht ist. Ihre Haare müssen herunterhängen, so dass beide Gesichter teilweise bedeckt sind. Er kann seine Hände hinter ihrem Nacken verschränken, so als würde er sie zu sich ziehen – ohne sie wirklich zu sich zu ziehen.

Wenn sie ein Knie anwinkelt, nachdem er seine Hände hinter ihrem Nacken verschränkt hat, sieht es so aus, als würde er sie zu sich ziehen. Dann kann sie ihren Kopf zu Seite neigen, und wenn sein Kopf direkt hinter ihrem Kopf ist, dann sieht es für das Publikum so aus, als würden sie einander leidenschaftlich küssen. Danach können sie sich wieder dem Publikum zuwenden, sie steht nahe bei ihm, Köpfe aneinander (Wange an Wange), lächelnd und nach oben sehend, als würden sie die Sterne beobachten. Er kann sogar nach oben deuten, als würde er ihr etwas im Sternenhimmel erklären.

Hier seht ihr das perfekte Beispiel eines Filmkusses in dieser Art:

4. Erinnere deine Theatergruppe immer wieder an die Regeln

Moses erzählte dem Volk immer wieder, was Gott ihm gesagt hatte. Und als Josua der Leiter des Volkes wurde, erinnerte er sie wieder und wieder und wieder an das, was Mose gesagt hatte. Als Josua gestorben war und die Anweisungen Gottes nicht mehr wiederholt wurden, vergaßen die Menschen, was von ihnen erwartet wurde, und sie fielen in Sünde.

HAB KEINE ANGST DAVOR DICH ZU WIEDERHOLEN ODER DICH WIE DER „BÖSE“ ZU FÜHLEN, WEIL DU DIE REGELN WIEDERHOLST. Es braucht nur eine Person, die es nicht mehr so ernst nimmt -und die ganze Gruppe hat Probleme.

5. Nehmt Gott mit in den Alltag

Wenn die Probe vorbei ist, betet als Team, bevor ihr auseinander geht.

a. Bittet Gott, da zu sein mit jedem, und dass ihr wieder zusammenkommen könnt, um engere Gemeinschaft mit ihm zu haben. Ich bitte Gott dann immer, die Schauspieler weiter zu begaben, weil ich durch die Proben immer wieder Verbesserungen sehe.

b. Gib ihnen die Möglichkeit, Gott zu danken und ihn zu bitten, sich um ihre Bedürfnisse zu kümmern. Wenn es unerwünschten oder zu intimen Kontakt zwischen den Schauspielern gab, rede mit ihnen erst einzeln und dann mit ihnen zusammen darüber. Zum Schluss rede mit der Gruppe als Leiter und lass sie Vergebung von Gott und voneinander finden.

Was denkst du zu Kussszenen im Gottesdienst? Darf man das? Wo siehst du noch Anwendungsgebiete? Welche Tricks kennst du noch? Hinterlasse uns doch ein Kommentar.