Anhand der Musik, die eine Person hört, kannst du viel über die Persönlichkeit dieses Menschen aussagen. Stell dir mal eine Person vor, die Death Metal hört. Welches Charakterbild hast du über diese Person bereits jetzt in deinem Kopf? Was ist, wenn du weißt, dass eine Person Jazz hört? Pop? Soul? Schauspieler und Autoren können dies zu ihrem Vorteil nutzen, wenn sie ein Charakter entwickeln. Wir kehren den Prozess aber um. Erst kommt die Musik, dann der Charakter.

Das Thema der Figur finden

In jeder Szene hat jeder Hauptcharakter normalerweise sein eigenes Thema, das seine Persönlichkeit darstellt oder andeutet. Durch die Musik versuchen wir dem Charakter Subtext in seiner Darbietung beizufügen. Dies geschieht auf eine subtile aber dennoch kraftvolle Weise. Ein Komponist muss beim Komponieren für Filme oft auch in den Charakter eintauchen. Das ist leichter gesagt als getan.

Eine Technik, die ich oft benutze, ist den Charakter zu verstehen, den du spielen wirst. Tauche in die Art der Person ein, die er oder sie ist; verstehe seine Sicht auf die Welt und was in ihr ist. Ist sie stark und selbstsicher? Schwach und unsicher? Trägt die Figur ständig soziale Kämpfe aus? Wo steht die Figur in der Gesellschaft? In ihrem Umfeld? In ihrer Familie?

Wenn du in ihre Welt eingetaucht bist, dann denke darüber nach, welche Art von Musik sie hören würde. Erstelle eine Playlist auf Spotify oder YouTube für sie. Höre dir die Songs an und tauche in ihre Welt ein, auch wenn es sich um Musik handelt, die du normalerweise nicht hören würdest. Bevor du dich versiehst, bist du völlig in ihr aufgegangen und tiefer in ihr Denken vorgedrungen. Die Musik wird dir helfen, deine Gedanken neu zu verdrahten, so dass sie vom Standpunkt des Charakters herrühren.

Der Titelsong

Schauspielerin, Synchronsprecherin und YouTuberin Amy Walker nutzt diese Technik seit Jahren. Sie war so freundlich, einige ihrer Erkenntnisse mit uns zu teilen.

Sie erinnert sich an eine Zeit, in der sie Jo March in einer Theateraufführung von „Little Women“ spielte. Jo, die zweite von vier Töchtern, war das schwarze Schaf der Familie, ein Wildfang mit einem heißen Temperament, das nicht in das weibliche Klischee der Bürgerkriegszeit von Amerika passte. Jo wollte in einer Zeit, in der Frauen keinen Job haben durften, Romane und Theaterstücke schreiben. Aber sie durfte es nicht, geschweige denn davon träumen Kunst zu erschaffen oder Regie zu führen. Aber der Charakter ist ein Kämpfer, belastbar und stark in ihren Träumen.

Um in die Rolle des Charakters hinein zu finden, kreierte Amy einen Titelsong für sie, indem Jo „Battle Hymn of the Republic“ nahm und den Text so veränderte, dass er zu Jo’s Charakter passte. Sie marschierte herum und sang, um ihren Geist und Körper in Jos Welt zu bringen:

„Ich werde mir die Haare schneiden und lernen, zu schwören und ein Bajonett zu benutzen / Und ich werde bald so hoch befördert werden, wie es geht / Und wenn ich nach Hause komme, werde ich Suffragette / denn Jo marschiert weiter … Ruhm Ruhm, was ist es für dich!“

Sie wurde ermächtigend, stark, unverwüstlich und alles, wofür Jo’s Charakter stand.

Amy ist ein starker Befürworter für die Verwendung von Musik, um Charaktere zu entwickeln: „Musik hilft mir wirklich tief in die Schwingungen und Gefühle meines Körpers und die Töne des Charakters einzudringen. Vor allem, wenn die Charaktere sich von meiner Welt unterscheiden.“

Letztendlich gibt es eine Million Möglichkeiten, wie du Musik verwenden kannst, um deine Charaktere als Schriftsteller oder Schauspieler zu entwickeln. Ob es darum geht, Filmmusiken zu verwenden oder Titelsongs für deinen Charakter zu erstellen, Musik ist ein sehr nützliches und effektives Werkzeug, um deiner Performance und Charakterentwicklung zusätzliche Tiefe und Dimensionen zu verleihen.