„Theater in der Gemeinde ist out. Leider. Andere mediale Formen sind angesagt, z.B. Filmclips usw.“ Diese Aussage geht uns nach. Ein Mann, der die Vision hat, eine Theatergruppe in der Gemeinde zu gründen, gibt auf, bevor er angefangen hat. Theater ist out? Eine Kunstform, die so viele Jahrhunderte überlebt hat, durch alle Epochen hindurch … die so wichtige Akzente gesetzt hat, politisch, religiös, kulturell. Hat Theater in der Gemeinde keine Chance?

Unsere Erfahrung spricht dagegen. Seit vielen Jahren unterstützen wir Theatergruppen in Gemeinden, die sich entweder neu gründen oder schon viele Jahre wertvolle Arbeit leisten. Theater als kreative Verkündigungsform ist nicht out! Parallel dazu können sich sehr wohl neue Verkündigungsformen bilden, aber das unmittelbare Erleben des Zuschauers im Theaterspiel kann durch nichts ersetzt werden. Theater spricht Menschen an, berührt, hinterfragt, ermutigt, kann heilsam und verwandelnd wirken.

Theater setzt starke Impulse und hat eine hohe Identifikationsfunktion. Was ich auf der Bühne sehe und als Zuschauer erlebe, dockt an meine Erfahrungen, Träume, Lebensfragen an. Ich nehme als Zuschauer unmittelbar an dem Geschehen teil. Das schafft emotionale Nähe.

Wie hat Theater in der Gemeinde eine Chance?

  1. Es braucht ein klar definiertes Ziel!
  2. Ich muss diese Arbeit wirklich wollen.
  3. Es braucht Mut! Mut, um Bedenken, Zweifel und Ängste zu überwinden und mit dieser faszinierenden Arbeit zu beginnen.
  4. „Mut zur Lücke“, nicht das Perfekte suchen, sondern Spielfreude und Improvisationstalent entdecken.
  5. Es braucht ab und zu professionelle Unterstützung.

Wir erleben oft, dass Gruppen, die uns einladen, festgefahren sind, entmutigt und nicht weiter kommen. Es ist berührend zu erleben, dass durch gezieltes Training, Gruppen neu auftanken und inspiriert werden. Einer Gruppe z.B. fehlten entscheidende Fachkenntnisse über Charakterdarstellung. Nach einem intensiven, kreativen Wochenende konnten wir nur staunen, wie mutig die Theaterspieler mit ihren Rollen überzeugen konnten.

Was „kostet“ Theater in der Gemeinde?

  • Es kostet Leidenschaft und etwas Zeit. Aber wenn ich Leidenschaft für etwas entwickle und für etwas brenne, dann habe ich auch Zeit.
  • Und so kann ich auch andere für die Theaterarbeit begeistern!

Was für einen Gewinn habe ich als Theaterspieler in der Gemeinde?

  • Wenn ich den Sinn der Theaterarbeit erkenne und Leidenschaft habe, quäle ich mich nicht zu den Proben, sondern sehe sie für mich auch als persönlichen Gewinn!
  • Meine Persönlichkeit wird gestärkt.
  • Ich entwickle Mut und erweitere meine Grenzen.
  • Phantasie und Spielfreude werden aktiviert.
  • Atem, Stimm- und Körperübungen sind ein wunderbares Training.

Man kann mit bestimmten Techniken zu jedem Thema Szenen entwickeln, auch zu aktuellen, hochbrisanten Themen. Auch biblische Geschichten können spannend, bildhaft und authentisch aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden. Theaterspielen bringt Menschen zusammen und verbindet durch kreatives Arbeiten. Das erleben wir immer wieder praktisch und hautnah. Wir haben mit einer Gemeinde ein Theaterprojekt durchgeführt: das „Joseph-Projekt“. Die ganze Gemeinde hat mitgemacht. Wir haben das Theaterstück gemeinsam geschrieben, haben gemeinsam Kostüme, Kulissen und Requisiten gebastelt, Schauspiel, Tanz und Musik einstudiert.

Diese Erfahrung war für alle sehr Mut machend und inspirierend. Es hat die Theaterarbeit in der Gemeinde sehr unterstützt und aus diesem Projekt sind etliche andere Projekte entstanden. Theater ist zeitlos und ein großer Gewinn für Darsteller und Publikum. Die Botschaft des Theaters berührt, inspiriert und beschenkt. Theater in der Gemeinde, als kreative Verkündigungsform ist immer aktuell und verdient immer wieder eine neue Chance.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift „Wir! gemeinsam unterwegs“ 2/2017 auf den Seiten 28+29 des Gnadauer Verbands.