Im vorigen Beitrag haben wir uns angeschaut, was der Unterschied zwischen einem Monolog und einem Solostück (oder auch Monodram) ist. Außerdem haben wir uns ganz kurz mit der Theorie von Monodramen beschäftigt und anschließend folgten die ersten fünf Ideen und Tipps, die dir helfen können, auch allein auf der Bühne dein Publikum zu begeistern. Hier kommen Tipp 6-10:

 

#6 Der Dreh- und Angelpunkt

Und schon sind wir beim zentralen Aspekt angelangt (So schnell kann das gehen): Das bist du! Mit dir steht und fällt deine Inszenierung. Sei dir stets dessen bewusst, dass du Theater spielst. Dass Menschen dir zuschauen, dich beobachten. Sei präsent auf der Bühne! Und mit präsent meine ich nicht extrovertiert. Es kommt nicht immer auf übergroße Bewegungen an, so nach dem Motto: „Schaut her, hier bin ich!“ Du musst zu aller erst im Inneren präsent sein. Um das auch zu trainieren gibt es eine Reihe von Übungen. Du wirst sehen, das wirkt sich positiv auf dein Spiel aus.

Bei allem vergiss nicht, dass du dich mit deiner Figur nicht um dein Stück drehst, sondern dein Stück dreht sich um deine Figur. Und dein Publikum wird sich freuen, wenn du ihm Einblicke in deine Figur gewährst.

 

#7 It’s called show!

In der Theorie stellten wir fest, dass Theater vor allem ein visuelles Medium ist. Das heißt, dass du in einem viertelstündigen Monodram nicht eine Viertelstunde sprechen musst. Dein Publikum schaut dir auch einfach mal gern zu! Aktion ist oft auch viel spannender und außerdem selbstredend. Lass deine Zuschauer daran teilhaben, dass du den Origami-Schwan einfach nicht hinbekommst! Sage nicht: „Ich kann keinen Origami-Schwan falten.“ Das ist langweilig. Lass deine Zuschauer sehen, dass deine Figur es nicht kann und daran verzweifelt. Je nach Thema, kann es natürlich auch etwas viel Bedeutenderes sein. Oder du lässt dein Publikum zuschauen, wie deine Figur sich den Kopf zerbricht. Sage nicht: „Oh, all diese Gedanken sind zu viel für mich!“. Show it! Spiele, dass deine Figur in einer Krise steckt. Das geht auch ohne Worte – benutze deinen Körper (Wie wirkt sich Stress und Anspannung auf den Körper aus?). Dein Publikum scannt deine Körpersprache.

 

#8 Zeitsprung und Fragment

Eine Inszenierung muss nicht immer chronologisch exakt geordnet sein. Zeitsprünge können sehr spannend sein. Keine Angst, deine Zuschauer werden alle ihren Kopf mitbringen und den dürfen sie auch beim Theaterschauen benutzen. An diesem Punkt sei auch Fragmentierung genannt: du musst nicht jede Sekunde von Null bis Hundert komplett spielen. Lücken in der Handlung machen eine Inszenierung oft sehr viel interessanter. Und wenn du nicht gleich Dreiviertel vom ganzen Textbuch weglässt, dann können dir auch deine Zuschauer folgen. In Gedanken die Lücken zu füllen, funktioniert gut. Lass dir passend zum Stück einfallen, wie du die Übergänge schaffst. Ein schleichender Übergang (vielleicht mit Licht, Video, Umbau) ist genauso möglich wie ein harter Szenenwechsel (die Figur erzählt davon, dass sie gleich Rugby spielen wird – du trittst wieder auf mit gebrochenem Bein). All das heißt nicht, dass das zwingend einer Inszenierung gut tut – es sind Möglichkeiten. Für dein Solostück kann es vielleicht auch gerade gut sein, dass du es in Echtzeit spielst!

Wichtig ist hier, dass du dir genau überlegt, wie du Zeitsprünge setzt, ob es vielleicht zu verwirrend sein kann, und welche Aussage dieses Element mit sich bringt. Das gilt sowieso für alle Tipps.

 

#9 In die Tasten hauen

Vielleicht ist es dir schon einmal so ergangen, dass du ein Stück gelesen hast, du warst sofort begeistert, Bilder schossen dir in den Kopf, du sahst deine Figur sogleich am tragischen Wendepunkt auf der Bühne, und gleich darauf die Ernüchterung: ein Stück für drei Personen und du bist allein. Was tun? Weglegen und weiter nach Ein-Personen-Stücken schauen? Verwirf deine Begeisterung nicht sofort! Schau dir das Stück näher an, ließ es ein paar Mal. Schau dir die auftretenden Figuren genauer an. Vielleicht kannst du in Anlehnung ein Solostück schreiben. Du greifst eine Figur heraus, untersuchst, welche Rolle die Figur in dem Stück übernimmt. Und dann schreib für die Figur allein einen Theatertext. Lass die Figur das erzählen und erleben, was sie in dem Drei-Personen-Stück erlebt. Mach daraus aber keine Nacherzählung oder 1:1-Übertragung. Du kannst dich lösen von dem zugrunde liegenden Stück. Und sollte es einfach notwendig sein, dass deine Figur in einen Dialog mit einer anderen Figur treten muss, denke daran, dass du deinem Schuh oder sonst etwas eine andere Rolle als nur Schuhsein zuschreiben kannst.

#10 Augen auf!

Der letzte Tipp: Theater anschauen. Geh ins Theater und schau dir unterschiedliche Inszenierungen an (in diesem Fall eben Solo-Inszenierungen). Schau dir Amateur- und Profitheater an. Dabei kann man ungemein viel lernen – und sich auch abgucken. Versuche immer wieder einen objektiven Blick im Theater einzunehmen, um die Vorgänge, Techniken usw. zu beobachten und nicht voll in der Handlung zu versinken.

 
Das alles sind erstmal nur Anregungen, die du ausprobieren kannst. Keine Vorschriften. Und es ist nicht alles mit einem Mal umgesetzt, klar. Aber probiere mal die eine oder andere Sache aus. Beim nächsten Mal kannst du dich dann noch an Weiteres heran wagen. Viel Freude und gutes Gelingen!

Welche Erfahrungen hast du mit deinen Solostücken gemacht? Welche Tipps haben dir besonders geholfen? Und was hat dir vielleicht noch gefehlt?

Zu guter Letzt noch ein kleiner großer Tipp von Herzen: Spiele niemals ein Solostück. Geh mit Jesus auf die Bühne!
 
 
 

Quelle:

Sätze zum MonoDrama, Karlheinz Braun, in: MonoDramen, Karlheinz Braun (Hrsg.),

http://faustkultur.de/1752-0-Braun-Saetze-zum-MonoDrama.html#.V_dhR_mLTct