»Meine Schauspieler haben keine Lust auf Aufwärmübungen« Immer wieder höre ich von Regisseuren diesen Satz. Aber warum diese Übungen so wichtig sind und dich auch als Regisseur schützen kann, erfährst du in diesem Artikel.

Anfangs– und Abschlussrituale verleihen deinen Proben einen konzentrierten Rahmen.

Eine Begrüßungsrunde, bei der alle Spieler mitteilen, wie es ihnen geht, oder ob sie in der Zwischenzeit Einfälle zum Stück und ihrer Rolle hatten, lässt deine Gruppe mental im Probenraum ankommen und stimmt sie auf die gemeinsame Arbeit ein. Zudem bist du über die aktuelle Verfassung deiner Spieler und die Energie in der Gruppe informiert und kannst dich dementsprechend darauf einstellen. Wenn jemand bei der Eröffnungsrunde erzählt, dass am Vortag der Hund der Familie eingeschläfert werden musste, bist du zum einen nachsichtiger, wenn der Betreffende während der Probe weniger konzentriert ist als üblich. Zum anderen kannst du Fettnäpfchen vermeiden, z.B. Improvisationen, in denen Tiere vorkommen.

Der Begrüßungsrunde sollten immer Warm-Ups folgen

Hierdurch lassen die Spieler ihren Alltag hinter sich und bereiten den Körper und die Stimme auf die Bühnenarbeit vor. Das ist sehr wichtig! Bei der Schlussrunde werden der Verlauf und das Ergebnis jeder Probe noch einmal reflektiert, offene Fragen können geklärt und die Ziele für das nächste Treffen festgelegt werden.

Die Proben mit einer gemeinsamen Runde zu beginnen und zu beenden, erzeugt eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre und stärkt den Zusammenhalt. Außerdem merken sich deine Spieler durch die Zusammenfassung am Ende jeder Probe das Erlebte bis zum nächsten Treffen besser! Es ist von daher zu empfehlen sie konsequent durchzuführen, selbst wenn zur Premiere hin die Zeit knapper wird. Häufig wird die starke Wirkung dieses rituellen, klaren Beginns und Abschlusses einer gemeinsamen Arbeit unterschätzt und mit fortschreitendem Zeitpunkt vernachlässigt. Das beeinflusst das Spiel auf der Bühne mehr als du denkst.

Quelle: Christiane Hess: Theater unterrichten – inszenieren – aufführen. Auer Verlag, 2012, S. 11.