Endlich ist es soweit: Du darfst zur nächsten Predigt deines Pastors ein Theaterstück aufführen. Der Pastor sagt dir, dass er über „Gnade“ predigen wird. Also schreibst du ein herausforderndes Stück, in dem ein Christ zu selbstsicher wird und sich nicht mehr auf Gottes Gnade verlässt.

Am Sonntagmorgen erfährst du jedoch, dass der Titel der Predigt „Ein Botschafter der Gnade sein“ lautet. Du redest mit dem Pastor und ihr merkt, dass dein Stück nicht zur Predigt passt. Du sagst das Stück ab, hast frustrierte Schauspieler und der Pastor fragt sich, ob er dich nächstes Mal nicht lieber im Kindergottesdienst einsetzen soll.

Dieses Beispiel ist vielleicht etwas übertrieben, aber es veranschaulicht, welche Probleme es geben kann, wenn man Theater und Predigt zusammenbringen will. Dieser Artikel soll dir helfen, solche Probleme zu vermeiden und die Arbeit deiner Theaterarbeit zu verbessern.f

1. Zusammenarbeit mit dem Pastor

Das Hauptproblem bei einer Predigt, die durch ein Theaterstück unterstützt werden soll, ist, dass Pastoren und Theatermenschen unterschiedlich an Themen herangehen. Keine der beiden Herangehensweisen ist falsch – es ist aber wichtig, die Gedankengänge des jeweils anderen zu verstehen.

Der Pastor: Viele Pastoren sind gut ausgebildet, lieben es zu lesen, sorgen sich sehr um ihre Gemeinde und sind oft überarbeitet. Wenn es um die Predigt geht, denken sie oft in thematischen Kategorien, die es ihnen ermöglichen, in der Bibel zu forschen und die Bibel dadurch zum Leben zu erwecken.

Der Theatermensch: Die meisten Theatergruppenleiter sind ehrenamtliche Laien mit einem Herzen für Schauspielerei und manchmal auch ein wenig Ausbildung in diesem Bereich. Sie sehen jede Predigt als ergänzungsbedürftig: Kreative Elemente wie Theaterstücke sollen die Predigt veranschaulichen. Ihre Herangehensweise ist: Wie muss ein Thema sein, damit es den Zuschauer bewegt?

Der Brückenschlag zwischen diesen beiden Gedankenwelten ist eigentlich nicht schwierig. Der Theaterleiter muss in klaren Begriffen denken und die Frage beantworten: Was deckt die Predigt ab? Der Pastor muss die Frage beantworten: Was soll die Predigt bei den Zuhörern bewirken? Oder „Welche Veränderung wird aufgrund der Predigt stattfinden?“

Je mehr Zeit man für die Feinabstimmung zwischen Theaterstück und Predigt hat, desto effektiver wird die illustrierte Predigt. Fang mit dem Pastor an. Frag nach dem Thema, nach Bibelstellen und dem Zielgedanken der Predigt.

Schreibe deinen ersten Entwurf und gib es dem Pastor mit der Bitte um Rückmeldung (es sollte noch genug Zeit sein, um das Stück umzuschreiben). Wenn der Entwurf vom Pastor angenommen wird, fangt mit dem Üben an (nicht vorher). Du und deine Schauspieler sollt ja nicht Zeit und Kraft in ein Stück investieren, das nicht gespielt wird.

2. Verwandle die Predigtbotschaft in ein Theaterstück

Wenn ich ein passendes Theaterstück zu einer Predigt schreiben will, gehe ich folgendermaßen vor:

  • Bestimme das Thema und den Zielgedanken der Predigt (so wie oben erklärt)
  • Suche nach Charakterzügen oder Themen, die man entweder mit dem Predigtthema oder mit dem Gegensatz der Botschaft verbinden kann. (z.B. Barmherzig – Unbarmherzig) Überlege dir dann Beispielsituation für diese Charakterzüge. Bei gegenteiligen Bezugspunkten kannst du die Gefahren und den aus ihnen entstehenden Schaden aufzeigen – oder welchen Gefahren und Schäden man entgeht, wenn man nicht darauf hereinfällt.
  • Der erste Gedanke muss nicht immer der beste sein. Halte weiter Ausschau nach anderen Möglichkeiten. Selbst wenn der erste Gedanke dann doch genommen wird, kann man die anderen Gedanken vielleicht später noch einmal benutzen.
  • Berücksichtige immer die Einstellung deiner Gemeinde zum Theater. In einigen Gemeinden kann man höchstens Interpretationen von biblischen Texten bringen, andere Gemeinden sind bereits offener und bereit, auch experimentelle oder „säkulare“ Theaterstücke anzunehmen.

3. Ideen für Stücke – Wie man die „Ideenpumpe“ anwirft

  • Biblische Geschichten. Biblische Geschichten können entweder ganz bibeltreu nacherzählt oder aus der subjektiven Sicht eines Augenzeugen dargestellt werden. Dabei können die Schauspieler z.B. auf einer Seite der Bühne die Geschichte nachspielen, während auf der anderen Seite ein Erzähler die ganze Geschichte oder Teile davon vorliest. Dabei kann sich der Erzähler immer wieder einschalten und Erklärungen oder Deutungen geben. Oder ein Schauspieler führt das Stück auf und erklärt den Zuschauern vorher, worum es geht und zieht sie somit in die Geschichte hinein.
  • TV-Reporter. Ein „TV-Reporter“ kann den Pastor (oder die Gemeinde oder vorbereitete „zufällige Passanten“) über das Predigtthema befragen und die letzte Frage leitet dann direkt zur Predigt über.
  • Der „Tücken des Feindes“-Ansatz. Die Idee hinter diesem Ansatz ist, dass die Zuschauer mitbekommen sollen, wie Satan über eine Sache denkt. Es kann nachhaltigen Eindruck hinterlassen, wenn man zeigt, wie Dämonen miteinander ihre Intrigen planen. Das setzt natürlich voraus, dass die Gemeinde für eine Darstellung dieser Art offen ist.

4. Wirf die Ideenpumpe an

  • Schreib regelmäßig die Ideen auf, die dir kommen, wenn dein Pastor predigt.
  • Lies regelmäßig Stücke von anderen durch.
  • Such dir jemanden, mit dem du deine Ideen besprechen kannst.
  • Halte immer mal wieder inne, um an Rosen zu riechen – das hält den Geist frisch.
  • Lies Witzbücher. Das wird dir nicht nur ein paar Ideen bringen, sondern auch ne Menge Spaß.
  • Wenn die Ideen-Bank leer ist, BETE! Ganz ehrlich: Bete, als wollest du den Himmel erschüttern! Die schönste Inspiration kommt oft aus der Verzweiflung.

Ein passendes Theaterstück zu einer Predigt zu schreiben ist nicht schwer. Es ist aber trotzdem Arbeit. Mit einiger Vorbereitung, Gebet und Schweiß kannst du Stücke schreiben, die die Herzen berühren und Leben verändern.

Autor: Mike Wagman, übersetzt von Torsten Cichon