Die Gottesdienstbesucher staunten nicht schlecht, als sie den Gemeindesaal betraten. Plötzlich war etwas anders. Den meisten fiel es sofort auf, dem Rest spätestens, als der Gottesdienstleiter nach vorne kam. Er betrat die Bühne, stellte sich in die Mitte und begann alle Gäste zu begrüßen und sein ganzer Körper war zu sehen. So war es doch noch nie in der 40-jährigen Geschichte der Gemeinde! Früher fand der überwiegende Teil der Gottesdienstgestaltung hinter der Kanzel statt. Der Kanzel, die jetzt fünf Meter entfernt neben der Bühne stand. Was war geschehen?

Anfang November führte ich unser Seminar für Moderatoren, Prediger und Schauspieler in einer Gemeinde im ostfriesischen Aurich durch. Wir hatten zwei spannende Tage voller Übungen und Diskussionen über das Thema Gemeinde, Bühne, Moderation und Willkommenskultur. Die 13 Teilnehmer haben im Laufe des Seminars entdeckt, dass nur ein paar kleine Veränderungen große Auswirkungen haben können. Bei diesem ganzen Enthusiasmus musste ich die Teilnehmer sogar etwas bremsen, denn Veränderungen, so klein sie auch scheinen mögen, sind immer schmerzhaft.

Es gibt keine einfache, magische Formel, die immer funktioniert, wenn du Dinge ändern willst. Aber du kannst ein paar Prinzipien beachten, um das Konfliktpotential möglichst klein zu halten.

Die 4 Grundsätze der Veränderung

GRUNDSATZ #1 – Keine Veränderung ohne Schmerz

»No pain, no gain.« (Ohne Schmerzen kein Gewinn), höre ich immer wieder meinen Trainer rufen, wenn ich beim Kampfsport wieder mal in ein Zirkeltraining gerutscht bin. Was beim Sport schon lange gilt, bekommt in unserem Kontext noch eine viel größere Bedeutung. Die Vorteile einer Veränderung gibt es nicht ohne Schmerzen. Und das gilt selbst für die allerkleinsten Dinge.

Edna, unsere langjährige Mitarbeiterin auf den Seminaren

In den letzten vier Jahren habe ich oft den Satz: „Da kann ich nicht mit.“ gesagt bekommen. Ich habe Schmerzen verursacht als ich die Puppe Edna

bei den Seminaren nicht mehr auf den Büchertisch gestellt, die Süßigkeiten bis zum Abwinken auf den Seminaren abgeschafft und E-Mails statt Papier für die Seminarinfos verwendet habe.

Das sind ja noch die kleinen Veränderungen. Es gab in den letzten Jahren viel größere Entscheidungen. Drama Ministry wurde Teil von JFC Deutschland e.V. Ich habe angefangen d:m zu leiten, ich habe das Pink von Drama Ministry in ein frisches blau verwandelt, den Studienverlauf angepasst, das Kernteam berufen und die Seminarabläufe verändert.

Das hat manchen große Schmerzen bereitet und viele haben das Netzwerk verlassen. Warum verursacht Veränderung Schmerzen? Weil Veränderung Verlust, Trauer und Enttäuschung mit sich bringt. Das sind alles verständliche Gefühle, weil man einfach nicht weiß, was einen am Ende erwartet. Ich kann gut verstehen, warum Menschen fast immun gegen Veränderung sind. Veränderungen machen ihnen Angst, selbst wenn sie gute Konsequenzen mit sich bringen.

 

GRUNDSATZ #2 – Menschen sind »Gewohnheitstiere«

Was ist der letzte Satz einer sterbenden Gemeinde? „Das haben wir noch nie so gemacht!“

Ja, das Gewohnte ist uns vertraut, wir kennen es und verlassen uns auf die anerkannten Abläufe. Das Neue, das vielleicht Riskante, das Fremde, es macht uns Angst. Ich habe schon oft von verschiedenen Menschen gehört: „So wie es ist, ist es doch gut genug. Warum lassen wir es nicht wie es ist? Warum willst du ausgerechnet jetzt etwas daran ändern?“

Wir lesen in der Bibel so oft von Veränderungen, dass sie uns schon gar nicht mehr auffallen:

  • „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde…“ (Zack Umstürzung)
  • „Ich will einen neuen Bund mit dir eingehen…“ (Plopp neuer Vertrag)
  • „… Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Bums neuer Erlösungsweg)

Stell dir mal vor Jesus wäre ein Änderungskritiker: „Was? Ich soll auf die Erde gehen? Aber Vater… bisher hat es doch auch alles gut funktioniert. So haben wir das aber noch nie gemacht. Bisher hat es doch auch funktioniert…“ Wir wären arm dran.

Normalerweise sind diejenigen Menschen gegen Veränderungen, die sich folgenden Satz tief ins Herz geschrieben haben „Früher war alles besser“. Sie glauben, es gibt nur diesen einen richtigen Weg, weil er früher einmal funktioniert hat. Sie leben lieber ungehorsam, als dass sie etwas Neues ausprobieren würden. Ich glaube, es gibt einen tiefen Zusammenhang zwischen geistlicher Reife und der Bereitschaft Neues zu wagen. Da sind wir auch schon bei der dritten Wahrheit.

Grundsatz #3 – Deine Arbeit kann und sollte sich verändern

Wir können es nicht leugnen: Die Welt verändert sich stetig. Darum müssen wir bereit sein, unsere Methoden anzupassen. Hier geht es nicht um die Botschaft, die wir anpassen müssen. Hier geht es um den äußeren Rahmen. Neue Probleme brauchen neue Lösungen. Neue Situationen brauchen eine Veränderung der Einstellung.

Wie wir weiter oben schon gesehen haben, ist Veränderung kein theologisches Problem (Gott hat nichts gegen Veränderung), sondern ein soziologisches Problem (Menschen mögen keine Veränderung). Wenn wir mit unserer Arbeit, egal ob Theater oder Gottesdienst, unser biblisches Ziel nicht mehr erreichen, dann müssen wir uns hinterfragen und umdenken.

Als ich vor einigen Jahren in einer Gemeinde in Belgien als Kinder- und Jugendpastor angestellt war und den Auftrag hatte, das Weihnachtsstück zu gestalten, war mir sofort klar, dass ich dieses Mal anders an die Sache herangehen würde. Bisher war es immer so, dass die Kinder aus dem Kindergottesdienst „gezwungen“ wurden, das Stück aufzuführen.

Ich vertrat schon seit einiger Zeit eine andere Auffassung der Theaterarbeit, die eben nicht nur süße Kinder (die eigentlich auch keine Lust auf Theater hatten) auf die Bühne schickt, damit die Eltern stolz sein konnten. Mein Ziel war, dass Theater Menschen berührt und uns ein Stück vom Himmel zeigt.

Ich habe mir wirklich die Frage gestellt: Warum machen wir dieses Theaterstück jedes Jahr. Welches Ziel haben wir damit, wenn wir es nicht aus reinem Pflichtgefühl heraus machen?

Ich habe die Arbeit nur leicht verändert und die Jugendlichen und Erwachsenen mit hineingenommen, die wirklich Lust hatten zu spielen und das Ergebnis war phänomenal. Wir haben als Leitungskreis dann übrigens schnell gemerkt, wie schmerzhaft Veränderungen sein können  J.

Bis heute arbeitet der Verantwortliche für die Theaterarbeit in Belgien nach diesem Prinzip und jedes Jahr wurden es mehr und mehr Menschen, die bei dieser Arbeit mitmachen wollen. Die Kinder sind wieder sicher J. Wenn du immun gegen Veränderungen in deiner Arbeit bist, dann wird deine Arbeit bald uneffektiv sein.

GRUNDSATZ #4 – Veränderungen brauchen flexible Leiter, die voller Glauben sind

Weil Veränderungen schmerzhaft sind, braucht es mutige Leiter, die voller Glauben und Vertrauen mit Gott vorwärts gehen. Stell dir an dieser Stelle mal die Frage, ob du vielleicht der ausschlaggebende Faktor bist, dass sich in deiner Theaterarbeit oder Gemeinde nichts ändert. Warum ist das so? Was hindert dich daran etwas Neues, noch nie dagewesenes zu machen?

Mich fasziniert gerade in diesen Tagen eine Gemeinde aus Karlsruhe. Diese Gemeinde hat schon einige Theaterproduktionen auf die Beine gestellt (übrigens  sind der überwiegende Teil absolute Laien). In den letzten Jahren haben sie immer wieder mutige Schritte nach vorne gemacht. Bei der letzten Produktion hatten sie an drei Tagen und 9 Vorstellungen 11.000 Zuschauer in ihrem Musical. Dieses Jahr wollten sie einen Schritt vorwärts machen und haben die dm-Arena in Karlsruhe gemietet. Ihr Ziel: 30.000 Besucher an einem Wochenende. Weihnachten neu erleben.

Man musste kostenlose Tickets bestellen, die nach fünf Tagen komplett ausgebucht waren. Jetzt haben sie eine Zusatzvorstellung geplant, weil die Nachfrage so groß ist.

Die Leiter sind ein sehr großes Risiko eingegangen. Sie hätten es wie immer machen können in ihren eigenen Räumen und hätten bestimmt auch 500 Menschen erreicht. Aber diese Leiter sind Menschen voller Glauben und Vertrauen und sind in diesem Glauben einige Schritte vorwärts gegangen.

Stell dir einmal vor, wie deine Arbeit aussehen könnte, wenn du bereit bist mit Gott Glaubensschritte vorwärts zu gehen,  Risiken einzugehen und nicht immer nur klein zu denken. Vielleicht denkst du jetzt: Ja, die haben ja auch 700 Mitarbeiter, die das Ding auf die Beine stellen. Aber denkst du wirklich, dass da von Anfang an 700 Mitarbeiter auf der Matte standen? Sie haben klein angefangen, haben ihre Arbeit sehr gut gemacht und gehen immer wieder neue Schritte vorwärts.

Radikale Schritte

Weil der Leiter des Gottesdienstes in Aurich diese vier Wahrheiten intuitiv wahrnahm, entschied er sich zu einem radikalen Schritt. Er verrückte die Kanzel um ganze fünf Meter nach rechts. Jetzt war sie von der Bühne verschwunden und man konnte die Körpersprache und Herzlichkeit des Gastgebers komplett wahrnehmen.

Ein Teilnehmer des Seminars sagte mir nach dem Gottesdienst: „Es fühlte sich fremd an, es dauerte einen Moment, dann fühlte ich mich im Gottesdienst willkommener als zuvor.“

Und wenn du das Potential deiner Moderatoren oder Schauspieler in der Gemeinde ausschöpfen willst, dann sprich mich doch einfach an, ich komme auch gerne in deine Gemeinde.