Wusstest du, dass es in Hollywood einen Preis für den schlechtesten Schauspieler gibt?

Die Goldene Himbeere ist ein erstmals 1981 vergebener Negativ-Filmpreis. Der Razzie wurde als eine Art Anti-Oscar vom Cineasten John J. B. Wilson kreiiert und wird in verschiedenen, teils absurden Kategorien für die jeweils schlechteste Leistung des Filmjahres traditionell am Abend vor der Oscar-Verleihung vergeben. Die materiell annähernd wertlose Sieger-Trophäe besteht aus einer Kunststoffhimbeere, die auf eine Super-8-Filmrolle aus Aluminium geklebt ist und anschließend komplett mit Goldfarbe überzogen wird. – Wikipedia

Diesen Preis verleihen wir natürlich nicht in unseren Gemeinden. Aber dennoch ist es ein Problem, das einige Schauspielleiter haben. Wir wurden gefragt:

Ein Freund aus meiner Gemeinde möchte gerne in unserer Theatergruppe mitmachen. Das Problem ist nur, dass er kein guter Schauspieler ist. Wie soll ich damit umgehen?

Meine Standardantwort auf diese Frage ist eigentlich: „Versuche schon durch die Rollenverteilung das Beste aus einem Theaterstück herauszuholen!“ Das heißt, Rollen nicht nach dem Muster verteilen, „weil Susi doch so gerne mal auf der Bühne stehen möchte“ oder „weil Heinz doch mein bester Freund ist“.

Für mich ist es natürlich leicht, so etwas zu schreiben, denn ich sitze hier mit genügend Abstand an meinem Schreibtisch – und nicht jeden Sonntag im Gottesdienst neben deinem Freund (nennen wir ihn Fritz).

Um deine Frage zu beantworten, müssen wir ein bisschen weiter ausholen und dürfen uns dabei nicht mit vorschnellen Urteilen zufrieden geben.

1. Die Aussage „Fritz hat kein Talent“ ist eine fragwürdige Unterstellung.

„Talent“ kann man nicht auf „Haben“ oder „nicht Haben“ reduzieren. Es gibt viele Abstufungen.

Ich als Schauspieler würde gerne sagen, dass ich jede Rolle spielen kann, und zwar jeden Tag und in jeder Verfassung. Das kann ich allerdings nicht! Manche Schauspieler sind besser in tragischen Rollen, manche in Sketchen. Manche sind besser als Bösewicht, manche als Held. Vielleicht muss man für Fritz also nur die geeignete Rolle finden!

Ich halte zum Beispiel David Hyde Pierce aus der Comedy-Serie „Frazier“ für einen wunderbaren Schauspieler. Er spielt einen „netten“ Charakter und ist unglaublich witzig. Ich kann ihn mir allerdings nicht als den nächsten James Bond vorstellen!

2. „Talent“ ist außerdem eine sehr subjektive Angelegenheit. Wieso?

Wenn wir mit unserer Theatergruppe ein Vorsprechen für ein neues Stück durchführen, habe ich am Ende immer eine ideale Besetzungsliste im Kopf: Ich habe die Schauspieler vorsprechen sehen, ich kenne die Rollen des Stücks – es ist sonnenklar, dass Lena unbedingt die Bibliothekarin spielen sollte, und Hans die Ralph-Rolle… Wenn der Regisseur am nächsten Tag allerdings die definitive Besetzung bekanntgibt, stimmt das mit meinen Überlegungen fast nie überein. Heißt das, dass der Regisseur mit seiner Beurteilung falsch liegt? Nein! Er sieht aber die Rollen anders und beurteilt die Textdarbietung und das Talent der Schauspieler anders als ich. Heißt das, dass die Aufführung schlecht werden wird? Nein! Das heißt nur, dass das Stück anders sein wird, als wenn ich es inszenieren würde.

Wenn du also sagst, dass Fritz nicht besonders talentiert ist, gehe erst sicher, dass du ihn unvoreingenommen und mit offenen Augen betrachtest.

3. Wie ist eure Theatergruppe zusammengesetzt und wo habt ihr noch Bedarf?

Und in welche Altersgruppe passt Fritz? Verstehst du, was ich meine? Kann Fritz einen Teenager spielen, einen Mann in den besten Jahren, einen Greis?

Vielleicht passt er genau in eine Altersgruppe, die in eurem Theaterteam unterrepräsentiert ist, und du bist für bestimmte Rollen dringend auf ihn angewiesen! Und für alle übrigen Theaterstücke kannst du ihn mit genau demselben Argument ablehnen.

4. Es kommt darauf an, wie hart Fritz für seinen Auftritt arbeiten möchte.

Mehr als einmal musste ich eine Rolle gezwungenermaßen mit einem „schlechten“ Schauspieler besetzen, weil ich niemand anderen zur Wahl hatte. Wenn so jemand aber auf Anweisungen des Regisseurs hört, Schauspieltipps annimmt und seinen Text gut lernt, kann er seine Darstellung dadurch enorm verbessern.

5. Kannst du ihm ein guter Regisseur sein?

Oh Schreck – damit gebe ich ja dir die Verantwortung! Wenn Fritz nicht in der Lage ist, auf Anhieb eine brillante Darstellung abzuliefern – bist du ein so guter Regisseur, um jede einzelne Bewegung mit ihm durchzusprechen, seine Aussprache und Betonung zu überprüfen, seinen Text abzufragen…? Mit anderen Worten, kannst du ihm dabei helfen, seine Rolle besser zu spielen?

Im Prinzip machst du das ja wahrscheinlich sowieso mit all deinen Schauspielern. Der einzige Unterschied ist, dass du in Fritz wohl etwas mehr Arbeit und Zeit investieren musst.

6. Vielleicht wird Fritz mit der Zeit besser?

Ich habe schon oft gesehen, dass Schauspieler durch Erfahrung und Ausprobieren immer besser geworden sind. Mit jeder Rolle wurden sie lockerer, lernten, sich auf der Bühne zu bewegen, usw. Vielleicht könntest du Fritz eine kleine Rolle geben und ihn so auf den richtigen Weg bringen. Mit der Zeit und jeder Rolle wird Fritz besser werden.

7. Lass ihn doch einfach als Souffleur anfangen!

Autor: Randy Manning, übersetzt von Sonni Maier mit Ergänzungen von Ruben Turbanisch