Wer kennt das nicht? Du bist dabei eine neue Hose zu kaufen. Vor der Kasse stellst du fest, dass sie kaputt ist. Könnte man nähen. Hoffentlich ist noch die nette Verkäuferin von vorhin da, bei der konntest du  schon mal etwas runterhandeln. Aber nein, es steht die barsche Chefin da. Du spürst, dass bereits ihr Anblick reicht, um deine Schultern nach vorn und die Hoffnung auf einen Rabatt auf den Nullpunkt fallen zu lassen.

Wir alle kennen Lehrer, die den Raum betreten und es wird augenblicklich mucksmäuschenstill. Dagegen erinnern wir uns ebenso gut an Lehrer, die den Raum betreten und keiner nimmt Notiz von ihnen. Selbst während des Unterrichts bleibt es mühsam, die Aufmerksamkeit der Schüler zu halten.

Aber auch unsere Kinder kämpfen mit diesem Thema. Schulhof, große Pause… Du willst zu deinen Freunden und musst dazu dummerweise an einer Clique vorbei, die dich immer auslacht, dir blöde Sprüche an den Kopf wirft und kürzlich gab es eine Schlägerei zwischen euch. Deinem Freund passiert das nie. Was macht der anders als du?

Oder du wunderst dich, dass die Menschen um dich herum, dein Verhalten scheinbar immer falsch einschätzen. Dabei dachtest du, dein Verhalten wäre klar und eindeutig. Warum fühlen wir uns im Gespräch mit der einen Person selbstsicher und bei der nächsten Person fühlen wir uns klein und wertlos, würden am liebsten unsichtbar sein? Gibt es eine geheime Sprache, die nur ich nicht kenne? Ja, die gibt es!

All das hat etwas mit der Geheimsprache unseres Körpers zu tun

Als ich 2016 bei Drama-Ministry  mein erstes Seminar „Improvisation I“, geleitet von Benjamin Stoll, besuchte, sollten diese Fragen eine Antwort finden. Gleichzeitig ist es auch ein faszinierendes Thema geworden, mit dem ich mich seitdem intensiv beschäftige.

Als Nacharbeit für das Seminar wurde auch das Buch “Statusspiele“ von Tom Schmitt/ Michael Esser empfohlen. Ein unbedingtes Muss, wenn man sich mit dieser Thematik auseinander setzen will.

Sobald Menschen aufeinandertreffen, beginnt automatisch eine Rangelei um die beste Position. (Zitat: Schmitt/ Esser) Wir kennen das bereits von der oft belächelten Hackordnung im Hühnerstall. Und wir Menschen sind keineswegs besser.

Wenn wir aufeinandertreffen spielt unsere Haltung, wie wir auftreten und auch was und vor allem, wie wir etwas sagen, eine große Rolle. Automatisch nehmen wir zu unserem gegenüber eine Position ein. Manche Menschen nehmen ihre Haltung wissentlich und/oder gekonnt ein, anderen ist ihre Außenwirkung nicht bewusst; sie nehmen die Haltung ungewollt, bzw. instinktiv ein.

Welchen Status hast du?

Wir haben entweder eine hohe Position (Hochstatus) oder eine tiefe Position (Tiefstatus). Status und Körpersprache gehören daher zusammen, da ich mit meiner Körpersprache meinen Status untermauere. Wenn wir sagen, wir kommunizieren über die Körpersprache, impliziert das nicht nur unsere Haltung, sondern auch unsere Stimme, unseren Blick, sogar die Geschwindigkeit unserer Bewegung spielt eine Rolle. Uns ist z.B. klar, dass hängende Schultern oder gesenkter Blick eindeutig den Tiefstatus signalisieren.

Der Hochstatus steht aufrecht, Schultern gerade und der Blick ist hoch. Der Tiefstatus übernimmt stimmlich eher die  leise Mäuschenstimme oder auch die hohen Tonlagen und gern das schnelle Sprechen. Der Hochstatus hat die tiefe Stimmlage, spricht nicht zu leise und langsam.

Das wiederum hat etwas mit dem Grad der Entspanntheit zu tun. Langsames Sprechen wirkt auch auf das Gegenüber entspannend und in den meisten Fällen überzeugender. Wer davon noch nicht ganz überzeugt ist, kann es selbst probieren, indem er folgende Sätze, mal im Tiefstatus (leise, hoch, schnell) und danach im Hochstatus (tiefe Stimme, laut und langsam) spricht: „Ich lasse mir das hier nicht mehr bieten. So gehst du nicht mit mir um!“

Noch ein Wort zur Geschwindigkeit unserer Bewegungen. Sind wir aufgeregt neigen wir alle zu hektischen Bewegungen. Meistens lassen schnelle Bewegungen die Person, die sie ausführt weder entspannt, noch gut oder überzeugend aussehen. Schnelle Bewegungen sind fahrig und unkonzentriert. Langsame Bewegungen heben meist den Status (in den Hochstatus) und wirken überzeugender und zielgerichteter, da sie aus der Entspannung kommen. Außer diese Bewegungen wirken antriebslos, müde oder schlaff.

Die vier Status-Typen

Es gibt zwei Status-Positionen. Schmitt und Esser haben in ihrem Buch dazu folgendes Statusmodell mit vier Varianten entwickelt. Es geht dabei einerseits darum, wie ist meine innere Ausrichtung (Position) und andererseits, was stelle ich nach außen dar. Dabei gibt es vier Typen.

Diese vier Status-Typen werden am folgenden Beispiel von Schmitt/ Esser deutlicher.

Stellen wir uns vor, es ist Wochenende, Erholungstag am See. Sandstrand, Decke, Picknickkorb. Du selbst bist am Lesen. In deiner Nähe lassen sich einige Jugendliche nieder. Decke, Alkohol und laute Rockmusik. Wie würdest du reagieren?

  1. Der Macher

Er fühlt sich innen hoch und wirkt nach außen ebenfalls im Hochstatus.

Sofort, wenn die Jugendlichen sich niederlassen, beginnt er schon zu handeln. Er geht zu ihnen und erklärt die Regeln. Barscher Tonfall, knappe Sätze, kein Platz für Widerreden. „Herrschaften- Ruhestörung, Alkohol, Zigaretten, alles verboten. Hier ist Erholungsgebiet. Sie sind hier nur geduldet, wenn sie sich an die Regeln halten. Zuwiderhandlungen werden mit Ordnungsgeldern bis zu 500€ bestraft. Das nur von vornherein gesagt, damit es nachher keine unliebsamen Überraschungen gibt.“

  1. Der Arrogante

Der Arrogante fühlt sich innen tief und spielt nach Außen allerdings den Hochstatus (nur äußerlicher Hochstatus).

Er ist ziemlich verärgert und überzeugt, dass solche Rücksichtslosigkeiten in seiner Jugend nicht vorgekommen sind. Er kämpft mit sich selbst, ob er etwas sagen soll. Eine Zeitlang hofft er, dass die Jugendlichen von selbst wieder verschwinden. Das passiert aber nicht. Irgendwann hat er so viel Wut angestaut, dass er hin geht. Er wird schimpfen und sich empören. „Das ist doch eine Unverschämtheit. Ich will mich erholen und ihr macht so einen Krach mit eurer Musik. Alkohol und Zigaretten sind ja auch nicht gesund. Sucht euch gefälligst einen anderen Platz!“ Die Wirkung wird wahrscheinlich nicht so ausfallen, wie er es erhofft. Es wird Streit geben und selbst, wenn es gelingen sollte die Jugendlichen in die Flucht zu schlagen, wird der Ärger noch eine ganze Zeit in ihm nachwirken.

  1. Der Charismatiker

Der Charismatiker fühlt sich innen hoch und spielt außen tief (Statusexperte).

Er erblickt die Jugendlichen und ahnt, was kommt. Es ist nicht das, was er sich für diesen Nachmittag am See vorgestellt hat. Der Charismatiker will keinen Ärger, will sich aber auch nicht ärgern lassen. Er macht sich ein kurzes Bild von den Jugendlichen, um dann mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Er wird Fragen stellen, weil es Interesse signalisiert und eine lockere Atmosphäre schafft. „Wo kommt ihr her? Ich habe euch hier noch nie gesehen. (Das sagt er auch dann, wenn er selbst zum ersten mal hier ist. Es erzeugt Respekt und den Eindruck, er habe ältere Rechte) Dann wird er sich nach der Musik erkundigen…. So hat er eine Basis geschaffen, um die andere Seite von seinen Vorstellungen zu überzeugen.

  1. Der Teamplayer

Der Teamplayer fühlt sich im Gegenteil zum Charismatiker innen tief und wirkt zusätzlich außen tief.

Er wird die neue Situation hinnehmen, sich wahrscheinlich ärgern, aber nichts unternehmen, um die ursprüngliche Idylle am See wiederherzustellen. Er hat vermutlich Angst, mit den Jugendlichen in Streit zu geraten. Lieber sucht er sich ein neues Plätzchen, als in die Konfrontation zu gehen. Leider wirkt der Ärger in ihm aber nach, ständig hält er einen inneren Monolog, auch über Sätze, die er hätte entgegnen können. Er ärgert sich, dass er sich nicht zur Wehr gesetzt hat.

Status ist etwas, das wir zum Leben brauchen

Wir kommunizieren ihn ständig, egal, wo wir uns befinden. Er kann von Begegnung zu Begegnung wechseln, von Situation zu Situation. Er ist nicht starr. Es kann sein, dass  der älteste Bruder in der Geschwisterhierarchie seine Position als Oberhaupt problemlos behauptet, allerdings in der Schule unter den Freunden immer im Tiefstatus unterwegs ist.

Wir alle kennen das und haben uns bisher möglicherweise gewundert, warum wir im Alltag unterschiedliche Positionen wahrnehmen. Wir haben vielleicht nur noch nicht gewusst, woran es liegt, dass die einen Personen uns total selbstbewusst und durchsetzungsfähig einschätzen und die anderen das genaue Gegenteil von uns behaupten.

Mir ist es jedenfalls so ergangen und es war für mich sehr aufschlussreich, von Status und Körpersprache zu erfahren und zu lesen. Als ich zu Hause mit meinem eigenen Kind über sein Problem sprach, in der neuen Klasse anzukommen und Freunde zu finden, war klar, hier geht es um das Thema Status und Körpersprache.

Wir haben einige Übungen dazu probiert. Mein Kind hat das super verstanden und umsetzen können. Daraus ist auch die Idee entstanden, ein Seminar für Kinder/ Teens von 10-13 Jahren zu entwickeln, in dem es um Körpersprache und Status gehen wird. Wir haben heutzutage viele selbstbewusste Kinder aber auch genug, die offensichtlich sehr unsicher sind, zurückhaltend und sogar Mobbing erleben.

Ich denke, dass es den Kindern helfen kann, sich mit der eigenen Körpersprache auseinanderzusetzen und zu lernen, diese gezielt einzusetzen. In 10 Seminareinheiten wollen wir Körpersprache kennen lernen, bei uns und den anderen wahrnehmen und beurteilen. Es wird Rollenspiele geben, in denen die Teilnehmer eigene schwierige Situationen theoretisch durchspielen können.

Als Abschluss soll sich jedes Kind eine Situation vornehmen, von der es denkt, es könnte eine schwierige Situation sein. Diese wird vorbesprochen und soll wie eine Abschlussprüfung im Alltag umgesetzt werden.

Kinder stark machen – über den Weg der Körpersprache. Mit diesem Wissen und ein wenig Übung ist unsere Körpersprache auch keine Geheimsprache mehr, sondern ein Werkzeug, das ich gezielt einsetzen kann. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene…ohne Altersbeschränkungen!

Wer mehr über dieses Programm wissen möchte, kann sich gerne mit uns in KONTAKT setzen.

Welche Erfahrungen hast du mit deiner Geheimsprache Körper gemacht? Schreib uns deine Geschichte als Kommentar.