Musik zum Ankommen, Musik zum Aufwärmen und Musik zum Entspannen. Was wäre eine Aufwärmphase ohne passende Musik? Für mich persönlich gar nicht denkbar. Mit Musik wird einiges einfacher, wenn sie gut eingesetzt wird. Darum habe ich mich hingesetzt und drei Spotify-Playlists zusammengestellt, die dir passende Musik für deine Übungen spendiert.

Wie Musik auf den Menschen wirkt

Musik hat Einfluss auf den ganzen Menschen. Musik verändert den Herzschlag, den Blutdruck, die Atemfrequenz und die Muskelspannung. Der Körper des Schauspielers sollte im günstigsten Fall entspannt und gleichzeitig aufmerksam sein. Musik greift aber noch tiefer, sie kann den Hormonhaushalt beeinflussen, weil Klänge sich vor allem auf die Nebennieren und Hypophyse auswirken.

Dabei verändert sich die Ausschüttung der Hormone je nach Musikart – bei schneller und aggressiver Musik wird z. B. Adrenalin ausgeschüttet, Noradrenalin bei sanften und besinnlichen Klängen. Und dazu kommt: Musizieren kann wie ein Jungbrunnen für das Gehirn sein, weil dabei neue Verknüpfungen im Gehirn gebildet werden. Diese Wirkungen machen wir uns zu Nutze.

Die Ankomm-Playlist

Die folgende Playlist spiele ich immer, wenn meine Schauspieltruppe ankommt und sich im Raum einfach wohlfühlen soll. Nicht zu stressig und nicht zu ruhig. Die Musik soll Lust auf Spielen machen und die Stimmung aufheitern. Dazu nehme ich einfach Lieder aus den Charts und was mir gefällt. So sieht meine Playlist dafür aus.

ÜBUNG – Bewegung nach Gefühl

Dies ist eine meiner Lieblingsübungen beim Aufwärmen. Ich schicke die Teilnehmer der Übung durch einen reißenden Wasserfall der Gefühle. Im Theateralltag muss sich ein Schauspieler innerhalb von Minuten und Sekunden in ein neues Gefühl begeben, wenn die Szene, die Zeit oder der Ort wechselt. Wir können dies in dieser Übung trainieren. Außerdem kannst du diese Übung verwenden, um die Kreativität anzuregen oder Zugang zu deinen Gefühlen zu bekommen. Achte ein wenig auf die Gruppendynamik, bei zu wenig Vertrauen haben die Teilnehmer oft Hemmungen, sich auf diese Art von Übung einzulassen.

Die Übung funktioniert nach dem Prinzip des Raumlaufs. Die Gruppe läuft durcheinander und neutral durch den Raum. Du spielst grundlegend verschiedene Musik ein. Jetzt soll jeder in sich erforschen welche Gefühle die jeweilige Musik in ihm/ihr auslöst. Dann bewegt sich jeder so, wie er denkt, dass es zur Musik passt. Achtung: Nicht welchen Film er damit verbindet. Jedes Mal, wenn ich diese Übung durchführe und den Soundtrack von „Mission Impossible“ einspiele, spielen plötzlich alle Spione (warum auch immer).

Weise deine Truppe auf die drei Bewegungs-Ebenen hin (unterhalb des Bauchnabels, über dem Bauchnabel und über dem Kopf). Das heißt: Du kannst dich auf dem Boden, im Stehen, im Hocken, aber auch ausstreckend usw. bewegen.

Deine Aufgabe als Spielleiter ist, die Musik alle 30 – 60 Sekunden zu wechseln. Achte darauf, dass du auf ein ruhiges Stück evtl. ein wildes Stück anlaufen lässt. Gib deiner Truppe immer die Möglichkeit, sich in die Musik einzufühlen. Diese Übung ist sehr anstrengend und gefühlsintensiv. Darum solltest du nach einer Austauschrunde über die Erfahrungen eine Pause einlegen.

Diese Playlist kannst du dafür nutzen.

ÜBUNG – Hörbare Sinneseindrücke

Als Schauspieler muss ich mir bewusst sein, was mein Körper  macht. Wenn ich vor einem Publikum auftrete, bin ich womöglich nervös. Ich muss mich an eine Menge Text und an viele Bewegungsabläufe erinnern. Dabei wird man leicht angespannt, wenn man die Wahrnehmung nicht auf den Körper richtet. Mit dieser Übung, die du immer wieder einstreuen kannst, trainierst du dieses Bewusstsein.

Die Teilnehmer verteilen sich über den Raum und legen sich flach auf den Boden. Zwischen ihnen sollte etwas Abstand sein, so dass sie sich nicht berühren. Achte darauf, falls der Boden kalt ist, dass es im Raum etwas wärmer ist als sonst. Es sollte nur so viel Licht vorhanden sein, dass du die Teilnehmer gerade noch siehst. Lasse eine ruhige Hintergrundmusik laufen. Zum Beispiel diese Playlist

Gib die folgenden Anweisungen:

„Schließe deine Augen und atme tief ein… und ausatmen. Und noch einmal: Ganz tief einatmen  … und ausatmen.

Atme jetzt in deinem eigenen Rhythmus weiter, während ich spreche.

Gleich atmest du wieder tief ein und spannst dabei deine Füße an. Versuch dann, die anderen Muskeln entspannt zu lassen und nur deine Füße anzuspannen. Mach das in Ruhe, lass dir dafür ein zwei Sekunden Zeit. Fertig? Atmet jetzt tief ein und spann deine Füße an. Gut. Jetzt halten … halten … und ausatmen.

Spann jetzt deine Wadenmuskeln an, aber nur deine Wadenmuskeln! Einatmen … gut! Entspann deine Wadenmuskeln und atme dabei aus.

Spann jetzt deine Oberschenkel an. Einatmen … gut. Und entspannen und ausatmen.

Spann deine Gesäßmuskeln an und atme dabei ein – jetzt entspannen und ausatmen.

Jetzt sind die Bauchmuskeln dran. Denk daran, nur diese Muskeln anzuspannen. Entspannen und ausatmen.

Spann deine Brustmuskeln an und atme dabei ein. Entspannen und ausatmen. Und wieder entspannen und ausatmen.

Spann deine Unteramte an atme dabei ein. Entspann dich und atme aus.

Nun spann deine Oberarme, also eure Bizepsmuskeln, an und atmet dabei ein. Und entspannen und ausatmen.

Nun sein deine Schultern daran. Atmet dabei ein. Und wieder entspannen und ausatmen.

Spann beim nächsten Einatmen sanft euren Hals an. Entspannen und ausatmen.

Rümpf jetzt beim nächsten Einatmen deine Nase. Beim Ausatmen wieder locker lassen.

Kneif beim Einatmen fest deine Augen zusammen; entspann deine Augen und atme aus.

Verzieh jetzt beim Einatmen das ganze Gesicht. Und wieder entspannen und ausatmen. Und noch mal: beim Einatmen das ganze Gesicht verziehen … entspannen und ausatmen.

Atme jetzt weiter tief ein und hör mir zu. Gleich werde ich dich auffordern, den ganzen Körper anzuspannen. Ich möchte, dass du dabei die ganze Anspannung fühlt, die in diesem Moment durch deinen Körper geht. Merk dir dieses Gefühl.

Also, spann jetzt den ganzen Körper an. Und halten … halten … und loslassen. Und noch mal: Alles anspannen … halten … halten … und loslassen.

Atme tief weiter, während du mir zuhörst. Und während du tief atmest, wir dein Körper schwerer und schwer. Du glaubst, dass du immer tiefer im Boden versinkst.

Achte darauf, ob es in deinem Körper noch irgendwelche angespannten Stellen gibt. Stell dir vor, dass diese angespannten Stellen sich jetzt verflüssigen und durch deinen Körper fließen. Kannst du dir das vorstellen?

Stell dir jetzt vor, dass sich am Ende deiner Wirbelsäule ein Korken befindet. Zieh in deiner Fantasie diesen Korken heraus, damit jetzt auch noch das letzte Bisschen an Spannung aus deinem Körper entweichen kann.

Die Anspannung fließt heraus, und du wirst schwerer und schwerer. Jetzt kannst du nicht einmal mehr deinen Kopf heben, weil er soooo schwer ist. Atme weiter tief ein und wieder aus und fühl dabei die Entspannung.

ZEIT LASSEN. Hör jetzt genau auf die Geräusche um dich herum. Versuch die Geräusche zu hören, die am nächsten sind. Kannst du deinen eigenen Atem hören? Was ist mit deinen Augenliedern, die sich öffnen und schließen? Lausch weiter auf Geräusche, aber achte jetzt auf alle Geräusche im Raum. Kannst du die anderen atmen hören? Hustet jemand? Schleicht jemand im Raum herum? Hör auf die Geräusche im Raum, nicht auf deine eigenen.

Jetzt möchte ich, dass du auf die Geräusche achtest, die von draußen kommen. Versuch dein Hören so auszurichten, dass du nur die Geräusche von außerhalb des Raumes wahrnimmst. Hörst du das Geräusch von Autos? Kannst du Leute reden hören?

Ok, steh jetzt langsam auf, jeder so, wie es für dich bequem ist. Dreh dich auf eine Seite und steh langsam auf. Bleib dann ganz ruhig stehen. Schau geradeaus. Bleib weiter ruhig und konzentriert stehen. Achte auf die Gefühle, die in diesem Augenblick durch deinen Körper gehen.

 

Anschließende Diskussion

Wie wichtig ist Konzentrationsfähigkeit für Schauspieler? Sollten sie das Publikum bis zu einem gewissen Grad ausblenden?

Konntest du deinen Hörsinn auf etwas Bestimmtes richten? Erkläre, wie du das gemacht hast.

Entspannt sein heißt nicht, unkonzentriert sein. Auch wenn wir entspannt sind, brauchen wir eine gewisse Spannung. Der Körper muss entspannt und aktiviert sein.

Um Gefühle wirklich empfinden und übertragen zu können, muss der Körper entkrampft und entspannt sein. Verspannung entsteht häufig durch Lampenfieber. Etwas Nervosität darf und soll ruhig sein, dennoch sollte man verschiedene Übungen zur Entspannung und Beruhigung aber auch zur Aktivierung anwenden. Ich hoffe diese Playlists unterstützen dich dabei. Du kannst uns ja mal ein Kommentar schreiben, welche Erfahrungen du mit diesen Übungen gemacht hast.