Sense Memory. Objektive Gefühlssphäre. Imaginäre Umstände. Je mehr Schauspieltechniken dir zur Verfügung stehen, desto erfolgreicher bist du wahrscheinlich auf der Bühne oder auf dem Bildschirm. Aber während eine Vertrautheit mit verschiedenen Methoden wichtig ist – wie sonst weißt du, was für dich am besten funktioniert? – ist es auch nützlich, die Geschichte der Lehrer und Regisseure zu kennen, die diese grundlegenden Werkzeuge ursprünglich geschaffen haben. Im Folgenden stellen wir dir die 10 Lehrer vor, die die einflussreichsten Denkschulen von heute angeführt haben.

Konstantin Stanislawski

Der Oberboss, der russische Urvater aller Schauspieltechniken. Stanislawski entwickelte als Pionier die Idee, dass das Bewohnen eines Charakters auf der Bühne zum Lehrfach werden kann. Um zukünftigen Schauspielern und Regisseuren beizubringen, wie man Emotionen nutzt, entwickelte er sein berühmtes „System“. Es geht darum einen Schauspieler in das „Magische-Wenn“ seines Charakters zu setzen. Sich also etwas vorzustellen, das in Wirklichkeit nicht existiert. Motivation zum Handeln zu erschaffen und sowohl Ziele als auch Hindernisse zu identifizieren. Die meisten der untenstehenden Lehrer wurden stark durch ihn beeinflusst.

Michael Tschechow

Stanislawski lehrte viele versierte Schauspieler, aber niemanden mehr als den Neffen des Dramatikers Anton Tschechow. Mit dynamischen physischen Bewegungen – einschließlich „Formen“, „Schweben“ und „Strahlen“. Um das komplexe Innenleben eines Charakters zu erreichen entwickelte Tschechow Stanislavskys System weiter für das Amerika des 20. Jahrhunderts und inspirierte Studenten wie Clint Eastwood, Anthony Hopkins und Marilyn Monroe.

Jacques Copeau

Zuerst als Theaterkritiker, später als Gründer des Théâtre du Vieux-Colombier und seiner Schule steigerte Copeau die Bühnendarstellung  von der reinen Unterhaltung zur Kunst. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts produzierte er in Paris und New York Shows mit bloßen Bühnen, die die Grundsätze des kommerziellen Theaters ablehnten und den Fokus des Publikums auf die Arbeit der Schauspieler legten.

Bertolt Brecht

Brecht, Deutschlands bedeutendster Dramatiker, entwickelte  das „epische Theater“ und nutzte die Bühne als Instrument des politischen Wandels. Seine Anhänger verzichteten auf die Katharsis (Reinigung, Läuterung) zugunsten der Rationalität, entfremdeten das Publikum mit einer stilisierten Version der Realität und zwangen sie, die Gesellschaft und sich selbst kritisch zu untersuchen. Der Einfluss dieses radikalen Regisseurs, Poeten und Philosophen reicht bis zu Caryl Churchill und David Bowie.

Antonin Artaud

Dieser französische Künstler, der Europa in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Sturm eroberte, legte den Grundstein für absurde Filmemacher und Dramatiker von Samuel Beckett bis Sam Shepard. Unter der Philosophie seines Theaters der Grausamkeit wurde das Publikum mit Klängen und Bildern angegriffen, die ihm dabei halfen, die unausgesprochenen Emotionen seines Unterbewusstseins anzuzapfen. In Artauds Welt wird Sprache als unzureichend betrachtet und Trauma ist ein Tor zur Freude.

Lee Strasberg

Er ist Mitbegründer des bahnbrechenden Group Theatre, Direktor des Actors Studios und Schöpfer des Lee Strasberg Theater – und Filminstituts. Er ist für den Begriff „Method Acting“ verantwortlich. Inspiriert von Stanislawsky, hat Strasberg ein System entwickelt, um Emotionen eines Charakters auszumalen. Die Basis dieser Technik arbeitet mit Erinnerungen an eigene Erlebnisse und Entspannungstechniken. Zu seinen Schülern gehörten Dustin Hoffman, Jane Fonda, Elia Kazan und viele andere Größen.

Stella Adler

Adler selbst war seit ihrem 4. Geburtstag eine überaus schöpferische Schauspielerin und widersprach Strasberg insofern, als sie die Vorstellungskraft gegenüber persönlichen Gefühlen bevorzugte. Unter den unzähligen Studenten ihres renommierten Studios sind Robert De Niro, Elaine Stritch und, am bekanntesten Marlon Brando. Adler setzte sich auch für eine starke Auswahlmöglichkeit ein und verwendete ein einfaches Prinzip, das jeder Schauspieler bedenken sollte: „Sei nicht langweilig.“ Gut, oder!?

Sanford Meisner

Sanford Meisner war ein US-amerikanischer Schauspieler und Schauspiellehrer. Gemeinsam mit Lee Strasberg und Stella Adler gründete er das Group Theatre und war einer derjenigen, die das Ausbildungssystem von Konstantin Stanislawski für Amerika anpassten. Der von ihm gelehrte Ansatz basiert auf seiner Interpretation Stanislawskis Arbeit.

Schauspiel ist die Fähigkeit, wahrhaftig unter gegebenen Umständen zu leben

Ziel der Meisner-Technik ist es „wahrhaftig unter gegebenen Umständen zu leben“. Das bedeutet, jegliche Art von konstruiertem, vorweggreifendem Spiel zu vermeiden und sich ganz und gar auf seine Instinkte als Schauspieler zu verlassen.

Diese werden angesprochen, indem man mithilfe von Übungen die Konzentration von sich weg hin auf den Spielpartner lenkt indem man diesem „wirklich zuhört“ und somit von „Moment zu Moment“ spielt. So gewinnt das Spiel an echter Tiefe und jede Art von Beliebigkeit wird vermieden. Der Schauspieler beginnt im Spiel zu reagieren, anstatt zu agieren („Acting is reacting“).

Uta Hagen

Auch die im Januar 2004 verstorbene Uta Hagen, eine der anerkanntesten Schauspiellehrerinnen in den USA, entwickelte ihre Schauspielmethode auf der Grundlage des Stanislawski-Systems. Wie bei Meisner steht im Vordergrund ihrer Arbeit das Schauspielen im „wirklichen Tun“ und im vollen „Verständnis der gegebenen Umstände“. Außerdem arbeitet sie mit dem Mittel des „Magischen Wenn“.

Hierbei macht sich der Schauspieler Momente des Stückes, die für ihn schwer nachvollziehbar sind, durch Vergleiche („das ist, als ob ich das und jenes tun oder erleben würde“) bedeutungsvoller. Das „Emotionale Gedächtnis“, das Strasberg hier benutzen würde (also sich durch Erinnern an eine erlebte Situation aus dem eigenen Leben der Rolle zu nähern), ist ebenfalls Teil des Schauspieltrainings von Uta Hagen.

Viola Spolin

Wenn du es vorziehst, deine schauspielerischen Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen, empfehle ich dir „die Großmutter des Improviationstheaters“ Viola Spolin. Als schauspielerische Lehrerin und Autorin leistete Spolin Pionierarbeit bei der Konzentration auf die Gegenwart eines Performers durch spontan spielerische Übungen, die darauf abzielten, Ängste und kreative Blockaden zu reduzieren („Theaterspiele“).