Noch viel wohler als in den eigenen vier Wänden

Ende August hatte ich an mehreren Abenden insgesamt 118 Gäste zu mir nach Hause eingeladen, alle sind gekommen. Wir hatten eine echt gute Zeit miteinander. Es spielte eine Liveband aus der Slowakei, die extra für uns angereist war, wir feuerten an einem Abend ein kleines Feuerwerk ab, hatten viel Spaß und natürlich auch sehr gute Gespräche miteinander. Gastgeber für so viele Freunde, Bekannte, Kollegen und auch Unbekannte zu sein ist gar nicht einfach.

Ich habe mir schon Wochen vorher Gedanken gemacht, wie ich den hohen Erwartungen meiner Gäste gerecht werden kann. Aber es war ja zum Glück nicht das erste Mal, dass ich so viele Gäste hatte. Ich glaube, mein Rekord liegt bei 3000 Gästen an einem Tag, in meinem Zuhause. DIE BÜHNE.

Konstantin Stanislawski, ein berühmter Regisseur aus dem 19. Jahrhundert gab seinen Schülern folgenden Ratschlag mit auf den Weg:

„Fühlen sie sich auf der Bühne noch mehr zu Hause als in ihren eigenen vier Wänden. Man muss sich auf der Bühne wohler fühlen als in der Wirklichkeit.“

Was bedeutet das?

Wenn du auf der Bühne stehst, sieht dich jeder, alle Augen sind auf dich gerichtet. Das ist ja vollkommen klar, denn du leitest in diesem Moment auch das Event, den Gottesdienst oder die Veranstaltung. Das kann nicht jeder. Eine der ersten Voraussetzungen für eine gute Moderation ist, dass dich niemand zu diesem Job zwingen muss und du dich sicher auf der Bühne fühlst. Bringst du diese Voraussetzung nicht mit, dann empfehle ich dir, einen anderen, besser geeigneten Job zu suchen. Die Frage lautet natürlich: Was kann ich dafür tun, um auf der Bühne einen guten Job zu machen?

Sei dir bewusst, wer du bist

Die zwei großen Stichwörter sind an dieser Stelle SELBSTWERT und SELBSTBEWUSSTSEIN. Selbstbewusstsein bedeutet nicht, dass du arrogant auf der Bühne herumstolzierst. Selbstbewusstsein bedeutet lediglich, dass du weißt, welche Stärken und welche Schwächen du besitzt. Der Selbstwert klärt die Frage nach deiner Identität und vor allem, woher du deine Identität bekommst.

Beziehst du deine Identität vom Applaus und davon, dass du ständig bewundert wirst (und keine Kritik einstecken kannst)? Dann wird deine Karriere als Moderator sehr kurz sein. Du wirst schnell frustriert aufgeben müssen, weil jeder Anfang schwer ist. Die Frage nach Identität ist riesig und kann hier nicht umfassend geklärt werden. Allerdings solltest du dich mit dir und deiner Identität stark auseinandersetzen.

Mach dir bewusst, dass deine Identität allein in Jesus sein sollte. Wenn du damit Probleme hast, dann geh zu einem vertrauten Menschen und geh diese Frage an. So sieht übrigens schlechter Selbstwert aus 😀

Schöner wohnen

Ich liebe den Vergleich zwischen meinen eigenen vier Wänden und der Bühne. Ich könnte stundenlang Vergleiche zwischen einer guten Moderation und meiner Wohnung machen. Ich belasse es heute mal mit einem Vergleich.

Als Moderator bist du der Gastgeber der Veranstaltung oder des Gottesdienstes. Die Zuschauer sind deine Gäste. Wie bei deinem Zuhause, sollte es dir ein Anliegen sein, dass alle sich wohl und willkommen fühlen.  Du würdest doch niemals Gäste einladen und ihnen mit Absicht den Abend verderben wollen, z.B. wie in diesem Sketch:

So, oder so ähnlich ist es auch in deiner Veranstaltung. Als Gastgeber repräsentierst du die eigene Kirche und Gemeinde. Bei einer Feier bei dir zu Hause verbinden die Gäste deine Wohnung mit dir und umgekehrt. In der Kirche gibt es diese ähnliche Verbindung: Du selbst als Gastgeber und die Kirche als solche.

Fühl dich auf der Bühne wohl

Klar, aller Anfang ist schwer und es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Darum ist es am Anfang auch schwer, sich wirklich wohl zu fühlen. Viele Dinge sind einfach neu.  Aber, wie weiter oben schon gesagt, grundsätzlich solltest du dich auf der Bühne wohler fühlen, als in deinen vier Wänden. Ja, auch wenn es meine Frau nicht gerne hört. Manchmal würde ich mein Zelt gerne auf einer riesigen Bühne aufschlagen und einfach dort mit meinen Gästen bleiben.

Wenn du dich auf der Bühne wohl fühlst, dann vermittelst du auch deinem Publikum Sicherheit und Orientierung. Wenn du mit Sicherheit sagen kannst, was auf der Bühne wann, wie und wo abläuft, wird sich das Publikum auch gut aufgehoben fühlen.

Es ist eine große Herausforderung und ein unschätzbares Privileg auf der Bühne zu stehen und eine große Gruppe durch eine Veranstaltung zu führen. Mach dir diese Verantwortung bewusst. Wenn du dir diese drei Punkte einprägst und beachtest, hast du schon eine gute Voraussetzung, dass deine Karriere als Moderator gelingt.