Dies ist ein Artikel mit Tipps für frischgebackene Regisseure. Darin geht es um die Grundlagen dazu, wie man wirksame Übungsstunden durchführt, wenn man eine Theatergruppe aufbaut.

In diesem Artikel werden wir die zwei wichtigsten Bereiche betrachten – was du sein und was du tun sollst. Was du bist, ist entscheidend, um ein guter Regisseur zu sein, und wie du das machst, ist über deine Kommunikation mit den Schauspielern.

#1 Sei verantwortungsbewusst

Das gilt in beide Richtungen.

Nach unten – ja, du hast das Sagen. Du hast das letzte Wort. Du hast auch die Verantwortung für das Endergebnis. Die natürliche Tendenz für jeden, der neu in einer Leitungsposition ist, ist es, zuerst zu hart zu sein. Als Regisseur hast du einen Vorteil, den die Schauspieler nicht haben – du siehst die Vorstellung aus der Perspektive des Publikums. Tu, was du tun musst; vermeide es, deine Entscheidungen unnötig nachträglich zu ändern. Später werden wir uns mit der Angewohnheit von Schauspielern befassen, abzuschweifen. Fang‘ einfach damit an, das zu tun, was getan werden muss, und die anderen werden dir auf dem Weg folgen.

Verantwortung nach oben heißt, dass du eine Verantwortung gegenüber den Personen hast, die die Produktion fördern – sei das nun ein Pastor oder ein übergeordneter Regisseur. Wenn du etwas an den Abläufen änderst, lass‘ es sie wissen. Gib ihnen außerdem regelmäßige Lageberichte über den Fortschritt der Produktion. Falls es ein Problem gibt, teile es ihnen unbedingt mit. So, wie du eine Anlaufstelle für deine Schauspieler bist, sollen der Pastor oder der Regisseur eine Anlaufstelle für dich sein.

#2 Sei gut organisiert

Das fällt wohl unter „Führen durch gutes Vorbild“ – aber dazu gehört noch mehr. Die meisten guten Regisseure waren früher einmal gute Schauspieler, die wussten, wie man Dinge organisiert. Du solltest deine Skripte zur Hand haben, Requisiten bereit und eine Vorstellung davon, wie weit die Aufführung in jeder Übungsstunde vorangeschritten sein muss. Wenn du organisiert bist, wird es dir leicht fallen, auf dem Laufenden zu bleiben.

Ein paar praktische Tipps – wenn möglich, sei bei der Probe als erster da. Halte genug Skripte für alle bereit, für den Fall, dass sie sie vergessen (den Rest kannst du immer noch archivieren). Wenn du diese Tipps befolgst, wird das deinen Schauspielern dabei helfen, ihre Zeit besser zu nutzen. Es wird auch im Hinblick auf die Meinung des Teams über dich nützlich sein.

#3 Sei kreativ

Ich habe einmal eine Predigt zu dem Thema „Den Schöpfer kennen hilft uns, schöpferischer zu sein“ gehört. Wir lassen Dinge (Produktionen) aus dem entstehen, was vorher nicht war. Kreativität ist ein natürlicher Teil davon.

Zögere nicht, einen Dialog zu verändern, wenn er nicht funktioniert. Denke daran, wie sich der Sketch anfühlt und was ihn vorantreibt, und halte das Ergebnis in Einklang damit. Ermutige die Schauspieler, ihre Gedanken mit einzubringen. Viele meiner Skripte werden bei den Proben überarbeitet und waren danach besser als der erste endgültige Entwurf. Scheue dich nicht, deinen Instinkten zu folgen. Wenn deine erste Priorität Gott ist, wird er dir bis zum Schluss beistehen.

#4 Fang mit Gebet an

Beginne jede Übungsstunde mit Gebet. Beende sie auch mit Gebet (aber lass‘ sie von jemand anders beenden). Das bestimmt die Atmosphäre und macht das Wichtigste an christlichem Theater zu einem festen Bestandteil: Wir tun das nicht aus unserer eigenen Kraft – sondern in seiner. Die Abhängigkeit von Gott ist eine Eigenschaft, die wir zu einem festen Bestandteil unserer Leben sowohl auf als auch abseits der Bühne machen müssen.

#5 Baue auf etwas auf

Nimm das Gute einer Probe und arbeite daran. „Das war gut, aber so wird es besser“ muss ein Satz sein, den deine Schauspieler regelmäßig zu hören bekommen. Denk‘ daran, dass viele von ihnen auch den Zeitdruck spüren. Lass‘ sie wissen, dass sie Fortschritte machen. Oft erstarren wir in einer „Noch mal“-Mentalität, und wir brauchen einen Blick dafür, wo wir uns verbessert haben.

#6 Zeige es am eigenen Beispiel

Wenn jemand etwas falsch macht und ein konstruktives Wort die Situation nicht wieder ins Lot bringt, denke an deinen größten Vorteil. Du gehst auf die Bühne und lässt ihn/sie im Publikum sitzen; so kann er den Fehler sehen, den er macht, wenn du ihn nachspielst. Dann zeige, wie es richtig geht; denke dabei immer daran, konstruktiv zu sein.

#7 Beende Proben in guter Stimmung

Ich beende die Treffen immer gern mit einem gelungenen Durchlauf – das gibt den Schauspielern etwas, an das sie sich erinnern können. Es ist auch im Hinblick auf den Antrieb einer Szene nützlich (mehr dazu s. u.). Ein weiterer Vorteil, wenn man in guter Stimmung aufhört: Dein Team (und du ebenso) muss sich gut fühlen mit der Arbeit, die ihr geleistet habt.

#8 Ordne Unterbrechungen an und erhalte den Schwung

Ein Skript hat ein Gefühl von Antrieb, Impuls, Bewegung, Schwung, und wenn die Schauspieler jede Zeile kennen, aber keinen Antrieb haben, wird es leblos wirken. Wenn sie sich des Antriebs bewusst sind und eine Zeile vergessen, werden sie besser dafür gerüstet sein, neu anzusetzen und weiterzumachen. Wenn etwas korrigiert werden muss, überlege, ob unterbrochen werden soll oder ob es bis nach diesem Durchlauf warten kann. Bei einigen Dingen muss sofort unterbrochen werden; z. B. beim Auslassen von Schlüsselstellen, die im Dialog behandelt werden müssen, bei allem, was dazu führt, dass die Schauspieler den Antrieb verlieren und bei allem, was einen Mitschauspieler ernsthaft verwirrt. Wenn möglich, lass‘ den Durchlauf weiterlaufen, denn das wird sehr dazu beitragen, dass die Schauspieler den Antrieb des Skripts beibehalten.

#9 Halte Abschweifungen der Schauspieler in Grenzen

Schauspieler sind meistens kreative Menschen, die etwas wiederholt vorspielen (Probe). Ab und zu müssen sie sich ein bisschen abreagieren und abschweifen. Wenn sie das tun, lass‘ sie sich abreagieren – und wenn sie entspannter wirken, nimm sie wieder mit hinein. Ab und zu wird es so aussehen, als ob sie nicht wieder zur eigentlichen Aufgabe zurückkommen würden (und vielleicht tun sie das auch nicht); dann bitte ich alle um Aufmerksamkeit und sage so etwas wie „Okay, Leute, tief durchatmen und jeder zurück in seine Rolle“. Das ist vielleicht ein guter Augenblick für eine Pause – falls es besonders schlimm ist, setz‘ die Pause einfach durch. Derart behutsam mit Abschweifungen umzugehen, ist nicht leicht und verlangt ein wenig Übung.

Author: Mike Wagman, übersetzt von Solveijg Diecks